August 30 2017

Schweinetransporte auf dem FRAPORT

Eingang zum Schweinetransport. Foto©2014KarlHochheim

Ich kam wieder mal von einer Reise aus einem EU Land zurück und durfte erleben, wie sich Fluggäste fühlen, die sich auf Deutschland freuen, auf ein bisschen angenehmes Ambiente, ein wenig Luxus. Wir sind ja ein reiches und gastfreundliches Land. Im Lufthansa Flieger ist alles noch okay, nettes Personal, auch mal zu einem Späßchen aufgelegt, auch nach einem langen Tag. Dann halbwegs pünktliche Landung, “Herzlich Willkommen in Frankfurt, …bla, bla…wir wünschen noch einen sicheren Weiterflug oder einen angenehmen Abend in Frankfurt. Bye, bye and auf Wiedersehen”. Na das läßt ja hoffen.

Und dann das Herumgekurve auf dem größten deutschen Flughafen. Dem erfahrenen Reisenden schwant nichts gutes. Und richtig, die A319/200 mit 200 Passagieren ausgebuchte Maschine steuert das Vorfeld an. Draußen sind es ca. 28 Grad. Kein weiterer Kommentar vom Personal. Der Flieger öffnet hinten und vorne und alle 200 Passagiere einschließlich Unmengen von Handgepäck quetschen sich in 2 (zwei!) bereitgestellte Busse. Bis der letzte Passagier eingestiegen ist, vergehen locker 15 .. 20 Minuten. Die Leute hängen in den überhitzten Bussen aufeinander, schwitzen, sind nach 2 Stunden im Flieger ohnehin nicht mehr ganz frisch. (Die Verspätung und die Hitze im Flieger beim Start waren vom Piloten erklärt worden, dass ein Hilfsaggregat im Flieger ausgefallen sei und daher die Klimaanlage nicht ginge. “Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“. Es kann mit doch keiner erzählen, dass eine Maschine fliegen darf, bei der irgendetwas ausgefallen ist……). In jedem Bus sind 100 Menschen verteilt auf 30 Sitz- und 70 Stehplätze. Jeder produziert 80 Watt Wärme, macht 8000 Watt Heizleistung zusätzlich zu den 28 Grad draußen. Kinder zwischen riesigen Rollkoffern eingeklemmt, weinen erbärmlich, Business Schuhe ruhen sich auf Flipflop Zehen aus, Rempeln, Schieben, Zerren. Trotzdem sind die Leute geduldig, fast wie paralysiert Angesicht dieser Zustände.

Herzlich Willkommen auf dem größten Flughafen in Deutschland, der in den letzten Jahren seine Gewinne enorm gesteigert hat. Und dann wird man in einen Schweinetransport gesperrt, 15 Minuten warten und dann nochmal 10 Minuten in Schlangenlinien über den Flughafen gekarrt. Da muss es einen schon sehr wundern, dass die Leute nicht reihenweise in den Bus kotzen oder umfallen.

Ein Bus mehr pro vollbesetztem Flieger würde die Situation enorm entspannen, aber die Gewinne gaaaanz leicht schrumpfen lassen. Aber nach dem Flug ist der Passagier ja abkassiert, jetzt isses Wurscht, wie sie/er sich fühlt. Und bis zum nächsten Mal ist es hoffentlich vergessen.

Ich weiß, wir klagen auf SEHR hohem Niveau und haben eigentlich keinen Grund dazu, wenn wir diese Situation vergleichen mit Menschen die vor Hunger und Repressalien fliehen und dann in armseligen Booten im Mittelmeer jämmerlich absaufen. Man kann das aber nicht vergleichen. Abkassieren und herzlich willkommen in einem Viehtransport ist eine Sauerei. Die Situation im Mittelmeer ist Totschlag.

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Veröffentlicht30. August 2017 von Karl Hochheim in Kategorie "Industrie", "Leben

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